Padise Kloster und Herrenhaus Geschichte

Im Jahre 1220 wurde dem Zisterzienserorden zu Dünamünde (im heutigen Riga) 30 Pflüge Land in Padise gewährt, um die Christianisierung der lokalen Bevölkerung zu betreiben. Um 1254 kamen die Mönche des Ordens nach Padise und bauten eine kleine Kapelle aus Stein, nördlich des späteren Herrenhauses gelegen. Im Jahre 1305 wurde der Orden gezwungen, seinen Hauptsitz, das Kloster in Riga, an den Deutschen Orden zu verkaufen.

Der Umzug der Mönche nach Padise hatte zur Folge, dass eine größere, befestigte Klosteranlage gebaut wurde. Historiker schätzen den Beginn dieser Arbeiten auf das Jahr 1317.
Die Genehmigung für den Bau des größeren Klosters wurde 1305 vom dänischen König Erik Mehved gegeben. Die Blütezeit des Klosters zu Padise war im 14. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war nicht nur viel Land in Estland im Besitz des Klosters, auch in Süd-Finnland (Porvoo, Sipoo und Pernajes) wurde viel Land erworben.

Mit Beginn des Livländischen Krieges im Jahre 1558 wurde Alt Livland, das heutige Estland und Lettland, von Russland besetzt. Gotthard Kettler, der letzte Meister des Livländischen Ordens, löste aus Angst vor einem schwedischen Überfall das Kloster auf und befestigte die Anlage gegen mögliche Angriffe. Es fanden zum Teil erbitterte Kämpfe während des Krieges statt, so dass vor allem die Südseite des Klosters schwere Schäden erleiden musste.

Durch die Unterstützung Thomas von Ramms, Burggraf und Münzmeister von Riga, konnten die Schweden während des 30-jährigen Krieges die Kontrolle über die Stadt im Jahre 1621 erlangen. Thomas verwendete seinen großen Einfluss, um die Tore für die Schweden offen zu halten und brach sein Bündnis mit den Polen. Zu diesem Zeitpunkt war Estland bereits unter schwedischer Herrschaft und so gewährte der schwedische König Gustav II. Adolf im Jahre 1622 Thomas Ramm das Kloster Padise mit seinen Besitztümern. Zugleich wurde Thomas Ramm der Adelstitel verliehen und er wurde neuer Bürgermeister von Riga. Dieses Geschenk galt zum Teil auch als Kompensation für die Schäden, die dem Ramm’schen Besitz in der Nähe von Riga während der Kriegshandlungen zwischen Schweden und Polen zugefügt wurden. Padise Kloster wurde dann prunkvoll umgebaut, um die Familie von Ramm unterzubringen..

Für über 140 Jahre war das ehemalige Kloster das Zuhause der Familie. Erst im Jahre 1766 wurde das Gebäude durch einen Blitzschlag und dem daraus resultierenden Feuer unbewohnbar gemacht. Die Klosterruine diente anschließend als Quelle für Baumaterial, um das neue Herrenhaus im Barockstil zu errichten. 1848 wurde ein zusätzliches Stockwerk gebaut um die wachsende Familie von Ramm unterzubringen. Das Erdgeschoss im Herrenhaus wurde verändert und neue Dekorationen wurden hinzugefügt. Ein neuer Flügel mit Küche und weiteren Anlagen für Personal wurden an der Südseite des Herrenhauses angebaut.

Während des 19. Jahrhundert wurden mehrere Gebäude in der Nähe des Herrenhaus errichtet. Von besonderer Bedeutung ist der im neo-gotischen Stil errichtete Getreidespeicher, welcher auf Veranlassung Clas Gustaf Reinhold von Ramms im Jahre 1832 gebaut wurde. Während dieser Zeit gehörte der Familie von Ramm auch die Herrenhäuser von Vichterpalu, Hatu und Vasalemma. Der Pferdestall des Guts besteht noch im Originalzustand und befindet sich am Ende der asphaltierten Straße an der Südseite des Hauses. Er wurde heutigen Zwecken angepasst und wird zur Zeit von der Gemeinde Padise benutzt. Im süd-westlichen Teil des Grundstücks steht am Fluss eine Wassermühle und die Ruinen der 2001 abgebrannten Brennerei. Jenseits der Straße von Keila nach Hapsalu kann man noch die Fischteiche des Klosters Padise sehen.

Erst im 20. Jahrhundert war die Familie von Ramm gezwungen das Gut und Estland zu verlassen. Die Wirren der Oktoberrevolution in Russland und die Folgen für Estland zwangen zur Aufgabe von Padise, welches 1920 verstaatlicht wurde. Der endgültige Abschied von Estland war dann mit Hitlers Initiative „Heim ins Reich“ gekommen. In den Jahren nach 1945 wurde das Herrenhaus unter anderem als Schule und Fabrikationsgebäude genutzt. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs erlangte Estland 1991 seine Unabhängigkeit von der UdSSR und die Gemeinde Padise übernahm das Herrenhaus. Als 1997 die Möglichkeit bestand, das Padise Herrenhaus zu kaufen, machten Olaf Thomas von Ramm und sein Cousin Clas Marten von Ramm ein Kaufangebot, das akzeptiert wurde. Ein neuer Flügel wurde an der Südseite des Hauses gebaut, wo die 1956 zerstörte Küche, Backhaus und Personalräume standen.

Eine große Terrasse wurde an der Vorderseite des Hauses mit Blick auf den Teich gebaut. Das renovierte Herrenhaus soll zu einem wunderschönen Hotel, Restaurant und Sitzungsort werden. Die Renovierung des Padise Herrenhaus wurde von Olaf Thomas von Ramm finanziert. Herr von Ramm ist Professor der Biomedizinischen Technik an der Duke Universität in Durham, North Carolina in den Vereinigten Staaten.

 

Das von Ramm’sche Familienwappen links ist an vielen Orten im Herrenhaus zu sehen und zeigt einen Widder mit einem Pfeil durch den Bauch. Das Wappen ist auch in Stein gemeißelt am Haupteingang zu sehen. Es wurde 1766 aus den Ruinen des verbrannten Klosters gerettet.

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